Von Afrika nach Schwäbisch Hall
Kurt Gutzmann ist auf ungewöhnlichem Weg in der grünen Branche gelandet. Er führt gemeinsam mit seiner Frau den Haller Gartentreff in Schwäbisch Hall. Wie es dazu kam, hat er uns bei einem Besuch vor Ort erklärt.

Herr Gutzmann, die Geschichte, warum Sie heute den Haller Gartentreff betreiben, ist außergewöhnlich. Wie kam es dazu?


Gemeinsam mit meiner Familie lebte und arbeitete ich in Windhoek in Namibia. Irgendwann wurde der Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren, immer größer. Mit Hilfe der IHK suchten wir einen mittel- ständischen Betrieb, den wir übernehmen konnten. Bei der Recherche stießen wir auf die Gärtnerei Scharpf, einen soliden Betrieb im herrlich gelegenen Schwäbisch Hall. Wir entschlossen uns also, die Gärtnerei zu übernehmen. Das ist inzwischen 25 Jahre her. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem sich Gartenfreunde treffen können, daher kam dann auch die Idee für den Namen: Haller Gartentreff. Der Laden ist ein Ort der Begegnungen geworden, genauso, wie wir uns das zu Beginn gewünscht hatten.

Sie sind kein gelernter Gärtner und kein Florist.

Nein, ich bin Kaufmann. Meine Frau und ich sind Quereinsteiger. Der Anfang war nicht einfach. Die Besonderheit unserer Branche ist, dass das Geschäft zu jeder Jahreszeit unterschiedlich läuft. In einem Jahr kann man nur einmal lernen, wie Januar oder Februar funktionieren. Wir mussten uns viele Kenntnisse aneignen. Unser Vorbesitzer war verstorben, wir waren also auf uns gestellt. In dieser Zeit waren wir auf das Fachwissen unserer Mitarbeiter angewiesen. Nach den vielen Jahren können wir nicht ohne Stolz sagen, dass wir den Betrieb erfolgreich weitergeführt haben. Wir haben ein Gartenfachmarkt zu einem liebevoll gestalteten Geschäft umgebaut, das nun eher einem Blumenladen mit Geschenkboutique und angebautem Gewächshaus ähnelt. Einen großen Anteil am Erfolg haben unsere Mitarbeiter/innen, die ihre Ideen mit einbringen. Dazu kommen unsere Wissbegierde und die ständige Suche nach Neuheiten, Trends, Sortimenten und Nischen. Sich den Kundenwünschen und dem Markt anzupassen ist überlebenswichtig. Wir legen viel Wert auf Qualität und Regionalität. Das schätzen die Kunden sehr. Unser Slogan ist: „Kreativ. Stilvoll. Echt.“

Wie ist der Betrieb heute aufgestellt?

Am Standort bieten wir Floristik, Accessoires, Geschenke, Pflanzen und Gefäße und eine große Auswahl an Gartenbedarfsartikeln. Dazu kommt noch das Portfolio an Dienstleistungen wie Event- und Trauerfloristik, Grabpflege und Raumbegrünung. Gerade im Bereich der Raumbegrünung sehen wir viel Potential, das möchten wir 2017 ausbauen. Die Floristik ist das Herzstück des Verkaufs. Zusammen mit der Kasse bildet sie den Mittelpunkt im Laden. Dadurch können wir die Laufwege kurz halten und sehr effektiv arbeiten.

Sie haben ja einen der weitesten Anfahrtswege aller Großmarktkunden. Wie wichtig ist Ihnen der Einkauf auf dem BGMS?

Der Blumengroßmarkt ist ein Ort der Kommunikation. Das hat uns von Anfang an sehr geholfen. Sie haben die Möglichkeit mit Fachleuten zu sprechen, sie können sich mit Kollegen austauschen, sie bekommen Empfehlungen. Der Markt ist für die Branche die beste Erfahrungs- gruppe, die es gibt. Man fühlt sofort die aktuelle Stimmung. Wenn die Geschäfte in Stuttgart gut laufen, dann auch hier. Das ist phänomenal. Unsere Branche hat eigene Gesetze und man muss schnell reagieren können. Und das geht nur mit der Vielfalt des Großmarktes. Wir brauchen uns gegenseitig. In der Saison sind wir zweimal die Woche da, sonst einmal, einfach wegen des Aufwandes. Wir nutzen dann aber die Fahrverkäufe der Anbieter.

Bietet Ihnen Schwäbisch Hall als Standort Vorteile?

Die Stadt entwickelt sich sehr gut. Da die Lebensqualität und das kulturelle Angebot hier stimmen, ziehen sehr viele aus der Umgebung her. Die Stadt hat Flair. Hessental, ein Teilort, wo wir unser Geschäft haben, ist von 3500 auf ungefähr 7000 Anwohner gewachsen. Die Stadt und die ganze Region profitieren stark von den ansässigen Großunternehmen – Würth, Berner, die Schwäbisch Haller Bausparkasse, um nur einige zu nennen.